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Die Organisation des Verbraucher*innenschutzes

Politische Akteur*innen und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Beziehung zwischen Unternehmen und Verbraucher*innen ist meist durch ein Macht- und Informationsgefälle zugunsten der Unternehmen gekennzeichnet. Diese strukturelle Asymmetrie soll das Verbraucher*innenrecht ausgleichen. Doch während Unternehmen oft über eigene Rechtsabteilungen und hohe finanzielle Ressourcen verfügen, treten ihnen Verbraucher*innen meist als individuelle Akteur*innen mit beschränkten Rechtskenntnissen und finanziellen Mitteln gegenüber. Seit einigen Jahren solidarisieren und kollektivieren sich Verbraucher*innen dabei zunehmend, um eine Gegenmacht zu erzeugen und ihre Interessen und Rechte gegenüber korporativen Akteur*innen geltend zu machen.

In Bezug auf diese neue Entwicklung wird untersucht, welche Prozesse der Verorganisierung bei der Mobilisierung von Verbraucher*innen stattfinden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Rolle von Geschlecht und weiteren Dimensionen sozialer Ungleichheit. Diese intersektionale Perspektive wird des Weiteren um die Berücksichtigung von Transnationalität ergänzt. Die Bearbeitung der Frage nach der Verorganisierung geschieht anhand von zwei Fällen. Einerseits wird sie im Kontext der Senkung der Mehrwertsteuer für Hygieneprodukte für menstruierende Personen betrachtet. Andererseits gerät die Einführung der Musterfeststellungsklage in Bezug auf den Abgasskandal in den Blick.

Methodisch liegt den beiden Fällen ein Mixed-Methods Ansatz zugrunde. Zuerst wird der (1) rechtliche Kontext des Verbraucher*innenschutzes analytisch aufgeschlüsselt. Folgend wird eine (2) Political Claims Analyse durchgeführt, um eine Übersicht über die beteiligten Akteur*innen, Konfliktfelder und Claims – im Sinne von Stellungnahmen, Entscheidungen und Handlungen – zu erhalten. Mit diesem Wissen werden dann (3) Expert*inneninterviews geführt, um die gewonnen Erkenntnisse zu vertiefen. Zuletzt findet zusammenführend eine (4) Kartografierung statt, damit die Prozesse der Verorganisierung nachgezeichnet werden.

Das Teilprojekt „Die Organisation des Verbraucher*innenschutzes“ leistet damit einen Beitrag zum besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen Recht und Organisationen, denen in der Rechts- wie der Organisationssoziologie bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Ferner trägt es zur Weiterentwicklung der Gender-Organization-Debatte und der um Recht und Geschlecht bei.

Team:   Maja Apelt   Matthias Schneider   Teresa Löckmann   Lilly-Allegra Hickisch

Förderphase 1 (2018-2021)

Publikationen des Teilprojekts