skip to main content

Recht – Geschlecht – Kollektivität. Prozesse der Normierung, Kategorisierung und Solidarisierung

Zu den umstrittensten Fragen westlicher Demokratien gehören derzeit jene um Zugehörigkeit und Teilhabe. Recht kommt dabei eine zentrale Rolle zu, sei es als Bezugspunkt, um ein Anrecht zu formulieren, sei es als Zielpunkt, um bestehende Grenzen zu verschieben. Von dieser Dynamik zeugen neuere soziale Konflikte etwa um Antidiskriminierungsrecht und Arbeitnehmer_innenrechte, darum, wem die Stadt gehört, um die Frage der Rechte von Geflohenen sowie generell um Fragen nach der Möglichkeit gleichberechtigter Teilhabe aller »an der Praxis staatsbürgerlicher Selbstbestimmung« (Jürgen Habermas).

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe (FOR) fokussiert vor diesem Hintergrund den Zu­sammenhang von Recht, Geschlecht und Kollektivität. Wir fragen nach der Wirkmächtigkeit vergeschlechtlichter Kollektivität in einer hegemonial männlich-heteronormativen sowie bürgerlich-privatrechtlich verfassten Rechtstradition. Uns interessiert, wie sich aktuelle gesellschaftliche Konflikte aus Sicht eines vertieften Verständnisses juristisch normierter und zugleich vergeschlechtlichter Kollektivierungsprozesse darstellen, wie sie verstanden und in angemessener Komplexität beschrieben werden können.

Die FOR nimmt dafür unterschiedliche Dimensionen von Kollektivität – (soziale) Kollektive, Vorstellungen von Kollektivität und Prozesse der Kollektivierung – in den Blick. Sie fokussiert die Schnittstelle von Recht als soziokulturell bedeutsamen Diskurs- und Handlungs­zusammenhang und Gender als wirkmächtiger sozialer Norm und Strukturkategorie. Die FOR erzielt damit erstens einen theoretischen Mehrwert sowohl für die Rechtsforschung wie für die Geschlechterforschung und leistet mit dieser spezifischen Fokussierung zweitens einen eigenständigen Beitrag zum Verständnis der Bedeutung von Kollektivität in spät­modernen Gesellschaften im transnationalen Zusammenhang.